„Möchtest du etwas trinken?“
„Danke, gern.“
„Was darf es sein? Champagner? Oder lieber was Härteres?“
Er folgte ihr ins Wohnzimmer und blieb vor der Bar stehen. Paula schenkte sich Veuve Cliquot ein und schaute ihm in die Augen, deren Farbe an reife Haselnüsse erinnerte. Sein Aftershave duftete nach Leder und Zedernholz mit einer Spur … Karamell?
Wie es sich anfühlen würde, die Fingerspitzen über seine wundervoll geschwungenen Lippen gleiten zu lassen? Sie schüttelte benommen den Kopf. Dieser Mann hatte eine mysteriöse Wirkung auf sie. So etwas war ihr bisher nie passiert, außer in ihren Träumen.
„Ich nehme einen Bourbon“, sagte er mit einem Nicken in Richtung der Flasche Blanton’s.
Seine Stimme klang sanft und sogleich stellte Paula sich vor, wie sie zärtliche Versprechungen flüsterte. Sie errötete. Es kostete sie einige Mühe, das aufgeregte Zittern zu verbergen, während sie den edlen, amberfarbenen Whiskey einschenkte. Sie war überzeugt, dass Superman die Unsicherheit an ihrer Nasenspitze ablas und prompt hielt Befangenheit sie in eisernen Fesseln. Er griff nach dem Champagnerglas, reichte es Paula und legte seine großen Hände auf ihre Schultern. Seine Finger fanden die Wirbelsäule und massierten feinfühlig ihren Nacken.
„Du bist ganz schön verspannt“, murmelte er und Paula wusste nicht, ob das Prickeln vom Wohlklang seiner Stimme oder der gefühlvollen Berührung kam. Sie genoss seine Nähe, ein Teil Unbehaglichkeit verlor sich unter den gekonnten Bewegungen.
„Tut dir das gut?“
Warmer Atem streifte Paulas Haut und verursachte eine kribbelnde Gänsehaut. „Ja“, flüsterte sie.
Seine Worte wirkten so zärtlich und einfühlsam wie seine Fingerspitzen. Das Spiel seiner kraftvollen, geschmeidigen Muskeln übertrug sich wie Radiowellen vom Sender zum Empfänger. Ihre Antennen waren auf seine Frequenz justiert. Sie hatte geradezu vergessen, wie es sich anfühlte, derart verwöhnt zu werden.
„Sag mir bitte Bescheid, wenn du dich unwohl fühlst.“ Er schlang ihre Haare zur Seite, seine Lippen berührten ihre Wange, strichen sinnlich am Ohr vorbei. Sein Körper schmiegte sich von hinten an sie und weckte wie sein heiseres Flüstern heißes Begehren. „Du bist wunderschön.“ Seine Finger wanderten zu ihren verkrampften Fäusten. Er hob ihre Arme, drehte Paula wie bei einem Tanz im Kreis und zog sie an seine feste Brust.
Sie schaute zu ihm auf, sein Gesicht war zum Küssen nahe. Seine geraden dunklen Augenbrauen ließen den Blick seiner glitzernden Pupillen noch intensiver und leidenschaftlicher wirken, als ergründe er die Tiefe ihrer Seele. Ob er sie begehrte? Würden die Hemmungen von ihr abfallen, sodass sie sich ihm hingeben konnte? Paula wünschte sich irrealerweise, Antworten auf nie gestellte Fragen in der stummen Zwiesprache zu finden. Sie lehnte die Stirn an seine Schulter. Seine Hand umfasste ihre Taille, glitt streichelnd den Rücken auf und ab. Mit der anderen Hand hob er ihr Kinn an, seine Augen blitzten verführerisch. Paula versank in ihrem goldenen Schimmer. Ihr Prinz aus dem Märchen!
„Begehrenswert.“
Sie schmiegte sich in seine Arme, die sie zärtlich und beschützend umfingen. Wie verzweifelt hatte sie sich nach solchen Liebkosungen verzehrt, Tag und Nacht, hatte geweint und getobt und es nicht geschafft, die versteinerte Schale ihres hartherzigen Ehemanns zu durchdringen. Paula spürte, wie ein Schatten ihr Gesicht verdüsterte.
„Bezaubernd.“
Owen hatte eine Vorzeigefrau gebraucht, und sie war so naiv gewesen, die Oberflächlichkeit ihrer Beziehung nicht sehen zu wollen. Und das, wo sie immer gespürt hatte, dass dieser Weg nicht ihr Lebensziel war. Jetzt war es zu spät.
„Entzückend.“
Warme Lippen legten sich prickelnd in ihre Halsbeuge.
„Und viel zu abwesend.“
Plötzlich fühlte sie sich, als würde sie schweben. Der kräftige Hüne hatte sie um Rücken und Oberschenkel gefasst und trug sie in die Diele. Wie selbstverständlich steuerte er auf die Treppe zu und setzte sie erst auf dem Podest im Obergeschoss ab. Sein Blick wanderte über ihren Körper.
„Sexy.“
Seine Stimme klang verheißungsvoll, innig und vertrauenerweckend, sodass Paulas Scheu verflog. Sie griff nach seiner Hand und zog ihn ins Schlafzimmer. Sie hatte einiges nachzuholen und wollte ihre verbleibende Zeit in vollen Zügen genießen, solange ihre Verfassung und ihr Gesundheitszustand es zuließen. Paula redete sich ununterbrochen Mut zu, sie fand sich keineswegs prüde, doch diese Situation war delikat, peinsam, ungewohnt. Er trat auf das Fenster zu und schob die hauchzarten Florentiner Tüllgardinen beiseite, öffnete einen Flügel und zog die Läden heran. Der Raum versank in angenehmem Halbdunkel. Paula war dankbar und überrascht, wie feinfühlig er war. Wahrscheinlich war es nur seine Professionalität, doch in seinem Lächeln glaubte sie, Bewunderung zu sehen, als er ihre Bluse aufknöpfte und sie über ihre Schultern streifte. Seine Fingerspitzen brannten auf der Haut, sie war sicher, dass sie glühende Spuren hinterlassen mussten. Ihr schwindelte beinahe, als ihre Hose zu Boden glitt. Paula verdrängte einen erneuten Anflug von Scham. Er stützte sie, während sie die Sandaletten von den Füßen schüttelte. Sogleich fand sie sich auf seinen Armen liegend wieder, bis er sie behutsam auf das Bett hinabließ.
„Sinnlich und betörend.“
Erregung wütete in Paula. Unter halb geschlossenen Lidern sah sie ihm beim Entkleiden zu. Sie fühlte sich wie ein Vulkan kurz vor seinem Jahrtausendausbruch. Die letzten goldenen Sonnenstrahlen, die sich durch die Lamellen der Fensterläden stahlen, beleuchteten seinen trainierten Oberkörper, fielen auf das Sixpack oberhalb seines Bauchnabels und die unbehaarte Brust. Das Spiel seiner Muskeln wirkte berauschend und prickelnd wie Champagner. Unter seiner Jeans spannte sich eine Beule, die magisch ihren Blick anzog. Er öffnete den Reißverschluss und kam langsam auf das Bett zu.